Das Parkhaus

Das Urteil der Jury:

Mit „Villa“ wurde ursprünglich ein römisches Land- oder Herrenhaus bezeichnet. Später im 19. Jahrhundert sprach man per Definition von einem größeren, vornehm in einem Garten liegenden Einfamilienhaus am Stadtrand. Die Schweizer Architekten Ralph Brogle und Marco Zbinden haben auf einer parkähnlichen Parzelle oberhalb des Zürichsees ein Haus konzipiert, das den Begriff „Villa“ auf eine zeitgemäße, architektonisch überraschende und äußerst konsequente Weise ins Heute übersetzt. Think Architecture hat an leichter Hanglage einzelne, eingeschossige Volumen frei zu einem harmonisch expressiven Gesamtgefüge komponiert. Die mäandrierende Grundfigur kaschiert die effektive Größe der luxuriösen Villa und verzahnt sich mit ihren Vor- und Rücksprüngen wie selbstverständlich mit der üppig grünen Parklandschaft. Horizontal geschichtete Natursteinbänder prägen die Fassade der verschiedenen Baukörper und unterstreichen das von den Architekten gewünschte Bild von aus dem Terrain wachsenden, steinernen Volumen. Eine durchgehende Sichtbetonauskleidung an der Dachkante verbindet die einzelnen Volumen zu einem harmonischen Ganzen. Das Haus im Park betritt man durch einen zentralen Raum, der durch einen Patio und eine skulptural geformte Spindeltreppe geprägt ist. Durch den Innenhof fällt Sonnenlicht bis tief in das Untergeschoss mit einem großzügigen Wellnessbereich. Von dieser lichtdurchfluteten Mitte können Bewohner und Besucher Raum für Raum für sich entdecken. Jeder einzelne Kubus – alle mit verschiedenen Nutzungen angereichert – strahlt durch eine konsequent schlichte Materialisierung und die perfekte, extrem reduzierte Detailausarbeitung eine beinahe erhabene Ruhe aus. Von jedem Raum ist der Blick in die Natur allgegenwärtig und durch bewusst gesetzte Oberlichter blickt man gar in den Himmel über Zürich. Ralph Brogle und Marco Zbinden von Think Architecture haben es verstanden, eine räumlich vielschichtige Erlebniswelt voller Atmosphäre zu kreieren, die an diesem Ort einen überzeugenden Mehrwert schafft.

Think Architecture
8008 Zürich
Schweiz

Galerie

„Think Architecture“, so heißt es auf der Bürowebsite, „ist ein Aufruf an uns und unsere jetzigen und künftigen Auftraggeber, die Herausforderung in der Architektur zu suchen und uns professionell zu messen. Mit „Architektur denken“ kann einerseits das Entwerfen und Umsetzen von Bildern vom Konzept bis zur Detailplanung, andererseits der intellektuelle Prozess vom ersten Kontakt mit dem Kunden und dem Bauort bis zur Realisierung bezeichnet werden. Der Firmenname ist Vision, Mission und Motivation zugleich.“ Und was aus Vision, Mission und Motivation entstehen kann, ist auf den Bildern zu sehen: Markante und charaktervolle Bauten, die zahlreich prämiert und publiziert wurden. Auch der Bauherrschaft gefielen die realisierten Projekte von Ralph Brogle und Marco Zbinden, die Think Architecture seit 2008 in Zürich führen: Sie lobte einen privaten Studienauftrag für die Planung ihres Einfamilienhauses aus und vergab den Auftrag an das Büro. Das Grundstück, 5.000 Quadratmeter groß, ist eher ein kleiner Park mit wertvollen Bäumen. Die Architekten entwickelten daher eine eingeschossige, bungalowartige Bebauung, die sich auf dem Gelände verteilt. Ihre mäandrierende Grundform mit Vor- und Rücksprüngen verzahnt sich in alle Richtungen mit dem Grün und fügt sich maßstäblich ein. Jeder Raum verfügt somit über einen direkten Gartenzugang und je nach Ausrichtung über attraktive Ausblicke in den Park, Richtung Bergpanorama oder bis hinab in das Züricher Seebecken. Ihrer Nutzung und dem natürlichen Hangverlauf folgend variieren die Volumen in der Höhe. Ein umlaufender Dachrand hält sie zusammen und verbindet zu einer bewegten Dachlandschaft. Vereinzelt schaufeln Oberlichter Zenitallicht in die Räume und geben den Blick frei in die Baumwipfel. Die Mitte der Grundrissfigur ist als Hohlform gestaltet, der Hof belichtet und macht die Natur selbst inmitten des Hauses erlebbar. Ohne klassische Korridore kommt das über 400 Quadratmeter große Hauptgeschoss aus, ein „Rundlauf“ führt um den zentralen Patio. Horizontal geschichtete Natursteinriemchen vermitteln Erdverbundenheit, das Dachband ist aus Sichtbeton gefertigt. Großformatig öffnen Fenster aus geölter Eiche und anodisiertem Metall die Fassade.