Das Retrohaus

„Weil wir Dinge lieben, die eine Geschichte haben, arbeiten wir sehr stark im Kontext. Wir erfassen, respektieren und wertschätzen das Bestehende und Vorhandene, um es erfolgreich weiterzuentwickeln oder Neues einzufügen.“ Das formuliert der Münchner Architekt Andreas Ferstl auf der Website seines Büros. Leere Worte sind es offensichtlich nicht: Statt die Villa aus den 60er-Jahren abzureißen, befreite Andreas Ferstl sie von ihren „landhäuslichen Verschmückungen“, wie er selbst es beschreibt, und erhielt bzw. verwandelte die gute Gebäudestruktur in ein zeitgemäßes, komfortables Zuhause einer vierköpfigen Familie.

Andreas Ferstl Architekten
80336 München
Deutschland

Galerie

Das üppig bewachsene Grundstück liegt südlich von München in Pullach im Isartal. Die knapp 9.000 Einwohner kleine Gemeinde ist berühmt und berüchtigt: Hier liegt nicht nur die historisch bedeutsame und für ihre Biergartenrevolution bekannte Waldwirtschaft, sondern Pullach war auch Standort des Bundesnachrichtendienstes, der 2018 nach Berlin umzog. Ebenso genoss die Parteielite der NSDAP die Idylle an der Isar, und es zogen zahlreiche Künstler nach Pullach ebenso wie zahlungskräftige Unternehmen. So hat das winkelförmige Gebäude eine wechselvolle Geschichte: Es wurde mehrfach baulich verändert, bis zum Umbau konnte es nur als verwahrlost bezeichnet werden. Doch Andreas Ferstl erkannte die Qualitäten des früheren Entwurfs, baute darauf auf und baute an. Heute gliedert sich das mit einem flachen Satteldach gedeckte Haus in drei Bereiche: Wohnen, Eltern und Kinder. Eine Eingangshalle verbindet und lädt Bewohner und Besucher zum Ankommen ein. Der repräsentative Wohnraum mit Essplatz schließt sich an, durch die Öffnung der Küche entsteht zusammen mit dem gemauerten Kamin das Zentrum der Villa, bodentiefe Schiebefenster öffnen den Innenraum über die Terrasse ins Grüne. Der Rückzugsort der Eltern wurde um ein eigenes Bad und eine Ankleide ergänzt und bietet heute zeitgemäßen Komfort. In der gegenüberliegenden ehemaligen Einliegerwohnung richtete Andreas Ferstl für die Kinder ein eigenes Reich mit viel Raum zum Austoben ein. Respektvoll erinnern die für den Umbau verwendeten Materialien an die Geschichte des Hauses: Der ursprünglich im Wohnzimmer verlegte schwarze Naturstein wurde in der neuen Eingangshalle und im Elternbad verwendet.