Das rote Haus

„Wer sich mit traditionellem Bauen auf dem Land beschäftigt“, so erzählte der Memminger Architekt Alexander Nägele vor einiger Zeit dem „Kreisboten“, „der kann feststellen, da geht’s selten gradlinig zu. Es gibt Abweichung von der Symmetrie, unregelmäßige Volumen, Wechsel bei Baustoff und Farbe: Brüche. Das sind Hinweise, das prägt sich ein. Überraschendes bleibt hängen, belebt das kollektive Gedächtnis. Das interessiert mich, damit spielen wir gerne, das verschafft Freiheit. Etwa die Farbe: Da gab es den Heiler Dorn, der war so bekannt wie sein Haus – in Ochsenblut gestrichen. Dann gibt’s die neuen Stallbauten mit den Trapezblech-Dächern, die hier oft dieselbe Farbe haben. Ein Mix an Bildern, der noch interessanter wird, wenn persönliche Geschichten dazukommen – etwa die der Bauherren mit ihren Sympathien und Antipathien. Und mit einem Mal begeistert man sich für etwas, was zuvor undenkbar schien.“

SoHo Architektur
87700 Memmingen
Deutschland

Galerie

„Das ging uns mit der Farbe so“, schließt sich der Bauherr an, „damit hat man ja sonst wenig zu tun; am Anfang hat man fast Angst. Dann erwärmt man sich zaghaft dafür und kommt schließlich zum Schluss: ja doch, nun aber ganz, nicht nur Fläche, sondern das ganze Volumen.“ So ist es entstanden, das rote Haus in Illerbeuren im Allgäu. Die Bauherrin ist im Nachbarhaus aufgewachsen, damals noch eine kleine Landwirtschaft. Drei Generationen wohnten unter einem Dach. Dann wurde die Landwirtschaft aufgegeben, die Straße entwickelte sich zur Ortsdurchfahrt, für die Generationen war es zu eng. Ein Ausbau des alten Hauses für die junge fünfköpfige Familie wurde aus wirtschaftlichen Gründen verworfen. Sinnvoller war es, einen alten Schuppen abzureißen und an seiner Statt neu zu bauen. Trotz des umfangreichen Raumprogramms, einem Erdgeschoss für das Familienleben, dem Obergeschoss für die Kinder und dem Dach für die Eltern, entwarf Alexander Nägele mit seinem Büro SoHoArchitektur ein weitläufiges Inneres mit einer Vielfalt an Raumbezügen. Die Wahl der Materialien allerdings folgt dem knappen Budget: Die Massivholzwände blieben unverkleidet und unbehandelt. Die äußere Gestalt mit ihrer charakteristischen roten Boden-Deckel-Schalung nimmt ortstypische, vorgefundene Formen und Typologien auf. Charmant transformiert das rote Haus die vertrauten Bilder: So geht zeitgemäßes Wohnen auf dem Land.