Die Raupe

Grimisuat ist eine kleine Gemeinde im französischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Wallis. Die Bauherren sind langjährige Bekannte, sie schätzen die Projekte des Lausanner Büros Tempesta Tramparulo Architectes Sàrl von Maurizio Tempesta und Antonino Tramparulo. Als Mediziner mit großer Verantwortung in einem Krankenhaus stand für die Architekten daher vor Beginn der Zusammenarbeit mit dem Bauherren die Frage, ob er auch bereit wäre, „Patient“ zu werden, das heißt: Zwei bis drei Jahre lang die Empfehlungen aus dem Büro zu befolgen.

Tempesta Tramparulo
1004 Lausanne
Schweiz

Galerie

Nach einigen Monaten Nachdenken stimmte er zu. Unter zwei Bedingungen: Die Familie wünschte sich ein großes, dabei aber bescheiden wirkendes Haus. Und sie wollten überall die Aussicht genießen können, ohne selbst gesehen zu werden, und das in einem von Einfamilienhäusern, so die Architekten, „verschmutzten“ Wohngebiet. Tatsächlich ist die Aussicht grandios. Und während seine Nachbarn in die Höhe streben, schmiegt sich der neue Baukörper flach auf den Grund und zeichnet die Topografie nach. Im Süden fällt der Blick auf ein beeindruckendes Panorama, eine Rahmung fokussiert. Mobile Fassadenelemente im Osten und Westen ermöglichen es den Bewohnern, das Licht je nach Stimmung zu modulieren. Scheinbar bescheiden bietet das Haus so Reichtum an Atmosphäre und Qualität und das nachhaltig und verantwortungsvoll. Holz erschien den Architekten als passendes Material: Es ist gleichermaßen traditionell wie zeitgemäß, ortsgebunden wie atypisch verwendet. Es sorgt für Ausblick wie Privatsphäre, Licht wie Schatten. Dass diesem Haus die Baugenehmigung – im Gegensatz zu allen Nachbargebäuden – beim ersten Mal verweigert wurde, betrachten die Architekten und Bauherren daher als Kompliment. Ebenso wie dessen Spitznamen: Raupe oder Salamander.