Dreiecksbeziehungen

Seit der Antike bezeichnet eine Villa ein Haus auf dem Land, sie dient selten landwirtschaftlichen Zwecken und ist Ausdruck repräsentativer Wohnkultur und verfeinerter Lebensart. Isabella Leber, die mit Martin Pool in München das Büro Pool Leber Architekten führt, meint zudem, eine Villa ist ebenso rückwärts wie vorwärts gewandt, bezieht sich auf historische Vorbilder und will dennoch Neues und Eigenes darstellen. Genau das tut der dreieckige Klinkerbau, dessen Galerien, Terrassen, Atrien und Türme wie aus einem Tonblock geschnitten erscheinen und Innen- und Außenbereiche miteinander verbinden. Für seine Villa in Gräfelfing, einer Gemeinde am südwestlichen Stadtrand Münchens, wünschte sich der Bauherr etwas Besonderes.

Pool Leber Architekten
80796 München
Deutschland

Galerie

Das Büro Pool Leber Architekten hatte bereits zwei Umbauten eines Hauses aus den 30er-Jahren für ihn betreut. Um ganz sicher zu gehen, lud er drei Büros ein, Ideen zu skizzieren, und vergab dann den Auftrag. Das umfangreiche Raumprogramm – 426 Quadratmeter Wohnfläche – organisierten die Architekten L-förmig um einen zweigeschossigen Wohnhof, der im Erdgeschoss als Mulde abgesenkt ist und in den Außenbereich übergeht. Über ein Oberlicht fällt Zenitlicht in den introvertierten, taghellen Raum. Neben dieser über sieben Meter hohen, lichtdurchfluteten Halle setzt die in Eiche gekleidete Bibliothek atmosphärisch einen Gegenpol. Die Wege zwischen dem Koch-, Ess- und Wohnbereich sollten so kurz wie möglich sein. So entstand die dreieckige Form, bei der die zweigeschossige Wohnhalle den zentralen Verteiler und das Zentrum des Gebäudes bildet. Im Obergeschoss reihen sich die privaten Räume entlang der Galerie rund um den Wohnhof. Das parkähnliche Grundstück bleibt immer im Blick. Die lange, verglaste, nach Süden ausgerichtete Diagonale des Dreiecks sorgt für Sonnenlicht im ganzen Haus. Ruhige, sanfte Farben bestimmen die Innenräume, das Dreieck taucht auch hier immer wieder auf. Die Ziegelfassade im Flensburger Format, also aus Steinen mit einer Länge von etwa 228 Millimetern, einer Tiefe von 108 und einer Höhe von 40 Millimetern, ist mit Bändern von schichtweise nach innen und außen springendem Mauerwerk überzogen. Der graugrüne Stein sorgt bewusst für das burghafte Erscheinungsbild der Villa, die sich zur Straße verschließt und sich mit großen, schwarz umrahmten Fenstern in den Garten öffnet.