Gartenstadt 2.0

„Ein Grundstück mit vielen Bäumen, fast zugewuchert und ein wenig verwunschen, mit einem charmanten Häuserl in der Mitte. Glücklich, wer hier mal wohnen durfte; ein Altbau am Rande der Stadt inmitten eines parkähnlichen Grundstückes in der Gartenstadt Planegg.“ So beschreibt der Münchner Architekt Thomas Unterlandstättner den „Genius Loci“. Doch so sehr er es auch versuchte: Der Bestand bot nur einen Bruchteil der Wohnfläche, die die Familie des Bauherrn wünschte, ein Bagger beendete den „Dornröschenschlaf“ des Altbaus.

Unterlandstättner Architekten
80469 München
Deutschland

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Bewältigt waren die Herausforderungen für den Architekten damit allerdings längst nicht: Bei der Planung eines Einfamilienhauses, davon ist Thomas Unterlandstättner überzeugt, ist es wichtig, die Bauherren persönlich am Tisch zu haben. „Über Mail und Planversand lässt sich vieles darstellen, aber um was geht es am Ende? Der Bauherr muss sich in seinem Haus wiederfinden und das wird er nur, wenn er mit seinen Emotionen wahrgenommen wurde. Das geht am ehesten im persönlichen Gespräch.“ Da die Bauherren zur Zeit der Planung in der Nähe von Stuttgart wohnten und der Bauherr viel im Ausland tätig ist, dauerten die wenigen Besprechungen dann bis zu acht Stunden und länger, ohne Pausen. Zumal auf dem Grundstück zwei Gebäude entstehen sollten: das Haus für die Familie sowie ein kleineres Gästehaus mit diversen zukünftigen Nutzungsvarianten. Im Bebauungsplan vorgesehen war das allerdings nicht. Die Baukörper mussten daher so geschickt platziert werden, dass eine Realteilung des Grundstücks möglich ist. Heute vermitteln die beiden Häuser zwischen der orthogonalen Gebäudestruktur in dem gartenstadtähnlichen Quartier und dem schrägen Verlauf der Straße. Gelebt wird hier im Ensemble. Die markanten, von Einschnitten geprägten Volumen scheinen als dreidimensionale Puzzleteile ineinander zu passen. Gefertigt wurden sie in monolithischer Bauweise aus Infraleichtbeton. Ein tolles Material, schwärmt Thomas Unterlandstättner, mit sehr guten Dämmeigenschaften. Einfach zu verarbeiten ist es jedoch nicht: Es muss im Einzelfall bauaufsichtlich zugelassen werden. Und obwohl der Bauunternehmer große Erfahrung mit Sichtbeton hatte und mit Schalung, Schalöl und Temperaturen umzugehen wusste, mussten Teile der Fassade nachbearbeitet werden. Der Aufwand hat sich gelohnt: Optisch, haptisch und atmosphärisch überzeugen die charaktervollen Innen- und Außenräume. Prägnante Einschnitte bilden Terrassen und Freibereiche nach Süden und Westen, die Zugänge zur Straße sind durch die auskragenden Obergeschosse geschützt. Nur die Loggien im Obergeschoss sowie der Lichthof im Untergeschoss orientieren sich nicht zum gemeinsamen Zentralbereich: Hier haben Kinder, Eltern und Gäste ihre privaten Bereiche; Wellness und Sport sind vor Blicken sicher bei gleichzeitiger Tageslichtausleuchtung. Die Beheizung beider Gebäude erfolgt mit einer Grundwasserwärmepumpe. Glasschaumschotter aus Altglas wurde als Perimeterdämmung für erdberührte Bauteile eingesetzt. Die Dachflächen sind extensiv begrünt, Dach- und Oberflächenwasser werden vor Ort versickert. Immergrüne Pflanzen und Gräser sorgen auch im Winter für Grün im Garten. Auf Sichtschutz durch Hecken oder Zäune konnte in der Gartenstadt verzichtet werden.