Leben im Denkmal

In Bad Wimpfen am Neckar ist die größte erhaltene Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Im Burgviertel der historischen Marktstadt, direkt gegenüber dem Steinhaus und dem Blauen Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, auf der historischen Stauferpfalz, erinnert ein Scheunenkomplex an die landwirtschaftliche Nutzung des Pfalzareals: Seit Beginn des 16. Jahrhunderts prägt der prominente Fachwerkgiebel das Stadtbild an der Straßengabelung. Innen einsturzgefährdet sollte die Scheune samt Anbau aus dem 18. Jahrhundert saniert und zu Wohnraum umgewandelt werden.

Haberbeck Schlempp Architekten
4054 Basel
Schweiz

Galerie

Die Auftragsvergabe an den Architekten Markus Schlempp, der zusammen mit Bettina Haberbeck Schlempp Büros in Basel und Freiburg führt, ist nachvollziehbar: Seit September 2015 ist er Professor für Entwerfen und Konstruieren und Denkmalpflege an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Coburg und der Universität Bamberg im Masterstudiengang Denkmalpflege/ Heritage Conservation. Die Herangehensweise war durchaus radikal: Um die Scheune zu stabilisieren, fügten die Architekten eine Betonskulptur ein, die das Erdgeschoss zoniert und eine neue Zwischenebene ergänzt. In den ehemaligen Heuaufzug wurde ein Aufzug eingebaut, der das hohe Haus nun barrierefrei erschließt. Eine zweite Wohnung erhielt ein eigenes Treppenhaus. Die gemeinsame Garage sowie Technikräume wurden im Sockelgeschoss untergebracht. Die Fachwerkkonstruktion wurde unter denkmalpflegerischen Aspekten instand gesetzt und mit einer Innendämmung sowie einer Holzweichfaserplatte ausgekleidet. Die Innenwände sind mit naturbelassenem Kalkdeckputz auf Lehmgrundputz behandelt, der Bodenbelag besteht aus einem dunkel eingefärbten, fugenlosen Zementbelag. Eindeutig heutig setzt sich der grob geschalte, rot eingefärbte Beton von der historischen Bausubstanz ab. Auch die Fassade wurde stellenweise mit großen Öffnungen aufgebrochen. Sie erinnern an den ursprünglichen Charakter des ehemaligen Ökonomiegebäudes, sorgen jedoch zugleich für ausreichend Licht und Ausblick. Große Holzschiebeläden mit drehbaren Lamellen filtern und schützen vor zuviel Einblick. Der ursprünglich mit Biberschwanz-Ziegeln gedeckte Dachstuhl erhielt neue Bandgauben. Ihre Form knüpft an das Erscheinungsbild von Lüftungsgauben historischer Scheunen an und belichtet die obere Wohnung.