Marazzi Reinhardt

Im 18. Jahrhundert beginnt die Geschichte des Strickbaus, der Jahrzehnte später mit einem Riegelbau erweitert und immer wieder angepasst und umgebaut wurde. Dank weniger Eingriffe wird er heute mit größtmöglichem Komfort und Baugeschichtsbewusstsein bewohnt.

Marazzi Reinhardt
8400 Winterthur
Schweiz

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Die Ortschaft Sternenberg liegt im oberen Tösstal, Luftlinie sind es 28 Kilometer bis Zürich. Im 19. Jahrhundert zählte sie 1432 Einwohner, 2006 waren es noch 356. „Diese Landschaft mit ihren Hügeln, Wäldern und der weiten Sicht erinnert mich an die russische Landschaft, in der ich aufgewachsen bin.“, beschrieb der 2008 verstorbene Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn die Gegend. Aus dem 18. Jahrhundert vermutlich stammt ursprünglich der als Wohnhaus genutzte Strickbau außerhalb der Bauzone, eine Erweiterung in Riegelbauweise wurde später als Webstube genutzt. Mund- zu Mundpropaganda verschaffte Sergio Marazzi und Andreas Reinhardt den Auftrag, das Anwesen, das in den letzten Jahren nur in den Ferien genutzt wurde, zu sanieren. Kein Wunder: Der gelernte Schreiner Sergio Marazzi, Jahrgang 1978, und der Zimmermann Andreas Reinhardt, die noch während des Architekturstudiums 2004 ihr Büro Marazzi Reinhardt in Winterthur gründeten, haben sich seither mit ihrem anspruchsvollen, sensiblen Umgang mit Bestandsbauten einen Namen gemacht. „Unsere Aufgabe war es, das Vorhandene ernst zu nehmen und vorurteilsfrei zu bewerten. Uns zu fragen, weshalb etwas da ist und ob es seine Funktion noch erfüllt, und nicht, wie man es schöner lösen könnte“, erinnert sich Sergio Marazzi. Dem Wunsch der Bauherrschaft, „das Weniger und nicht das Mehr als richtige Lösung für das Haus zu sehen“, haben sie gern entsprochen: Die Architekten planten und bauten, was nötig war. Nicht mehr, nicht weniger. Schließlich ist die Mischung aus historischen und moderneren Fenstern und Türen, von Wandtäfer im Originalzustand und Wänden aus den 1970eroder 1980er-Jahren stimmig und hat sich ganz selbstverständlich im Laufe der Zeit entwickelt. Neu jedoch ist heute die Haustechnik, eine Zentralheizung entlastet die Kachelöfen. Auf die wärmenden Teppiche konnte daher verzichtet werden, die darunterliegenden Holzriemenböden wurden abgeschliffen und geölt. Ein liegender Balken im Wohnzimmer des Riegelanbaus wurde entfernt, der Raum kann heute stolperfrei durchschritten werden. Eine Fenstertür öffnet in den Garten, die Küche lädt dank ihres abgesenkten Bodens heute mit ausreichender und angenehmer Raumhöhe zum Kochen ein. Noch immer wird sich das Leben im Winter in wenigen Räumen abspielen.