Mondsee - Bade- & Bootshaus Fam. B.B.

Das klassische Badehaus ist ein öffentliches Bad. Seine Blütezeit erlebte es im Spätmittelalter, es diente nicht nur der Körperpflege und der Behandlung von Krankheiten, sondern auch als gesellschaftlicher Treffpunkt. Bei den Badehäusern, die Maximilian Rudolf Luger und Franz Josef Maul, die seit 1993 in Wels als Architekten Luger & Maul zusammenarbeiten, planen und realisieren, geht es naturgemäß zwar auch um Wellness und Gesundheitsvorsorge ebenso wie um Geselligkeit – allerdings für private Zwecke. Mehrere der kleinen Seerefugien sind auf der Website zu finden, einige davon waren in den letzten Jahren unter den Häusern des Jahres.

Architekten Luger & Maul
4600 Wels
Österreich

Galerie

Auch der Bauherr kannte ein realisiertes Projekt der Architekten und beauftragte das Büro mit dem Bau seiner ganzjahrestauglichen Kleinwohnung am Mondsee im oberösterreichischen Salzkammergut. Zu dem etwa 274 Quadratmeter kleinen, zu Bauland gewidmetem Grundstück gehört zudem ein Bootshaus im See, das in einer zweiten Etappe – die rechtlichen Vorgaben sind komplex und erforderten zwei Bauanträge und Bauabschnitte – in Zusammenarbeit mit Catharina Maul und ihrem Wiener Büro maul-architekten umgebaut wurde. Maximal 70 Quadratmeter Bruttogeschossfläche erlaubten die Bebauungsrichtlinien des Landes. Aufgrund der topografischen Lage und der Wünsche der Landschaftsschutzbehörde entwickelten die Architekten einen in großen Teilen unterirdisch angelegten Bau. Großflächig öffnet er sich auf der Seeseite zum Wasser – jedoch von der Straße aus besehen, tritt er nur als 1,4 Meter hoher transluzenter Zaun aus Glas in Erscheinung. Ein Atriumhof liegt hinter der grünschimmernden Abschottung und versorgt das kleine Haus auch in der Tiefe mit Licht und Sonne. Funktional wurde es als Einraumapartement konzipiert: Schlafen, Kochen, Essen und Wohnen richten sich aus auf den See, die Kirche von Mondsee bleibt im Blick. Gern erinnert Franz Maul sich daran, wie er 2015 bei einem sonntäglichen Baustellenbesuch auf dem Nachbargrundstück, auf dem die Architekten ein Wohnhaus mit Bade- und Bootshaus errichteten, angesprochen wurde, ob er der Besitzer des Rohbaus sei. Der Architekt verneinte, er nehme nur seine Planungsund Bauaufsicht wahr. Der Fragende war begeistert von dem Objekt und stellte sich als Besitzer des angrenzenden Grunds vor, den er ebenfalls gern bebauen würde. Daten wurden ausgetauscht zwischen Franz Maul und dem Herrn, der sich als „Dattelpflücker“ mit marokkanischem Vater und österreichischer Mutter bezeichnete und versprach, sich zu melden. 18 Monate später kam ein Anruf aus London: „Hallo, hier spricht der Dattelpflücker. Können wir über unser Haus und das Bootshaus am Mondsee sprechen?“