Ruinelli Associati AG Architetti SIA

Das Urteil der Jury:

„Das Ergebnis einer Architektur, bei der man die Sorgfalt der Ausführung und die Stimmung der Materialien wahrnimmt, ein Bau, der den Besucher emotional einbindet.“ Mit diesem Zitat beschreibt Armando Ruinelli von Ruinelli Associati Architetti das Gebäude mit dem Namen Studio Cascine Garbald in dem kleinen Dorf Castasegna im Schweizer Kanton Graubünden. Das Gebäude ist ein Wiederaufbau eines bereits bestehenden Gebäudes. Die Auflage war es, diesen Wiederaufbau am selben Ort, im gleichen Volumen und in derselben Höhe zu realisieren. Rein äußerlich ist das neue Gebäude daher eingebettet in die ursprüngliche Dorfstruktur und orientiert sich optisch an den bestehenden alten Gebäuden des Dorfes und deren regionaler Bautradition, mit Blick auf Form, Farbe und Materialität. Ein kleines Steinhaus also samt dem für Graubünden üblichen Dach mit Steinplatten aus Gneis. Ein besonderes Erlebnis erwartet die Bewohner und die Besucher, wenn sie das Haus betreten. Die vorherrschenden Materialien sind Stampfbeton und Holz. Die Räume strahlen eine wohltuende Klarheit und gleichzeitig eine sinnliche und schlichte Eleganz aus. Der Stampfbeton scheint sich zum Markenzeichen von Ruinelli zu entwickeln, kam dieser bereits bei seinem 2009 fertiggestellten Umbau eines ehemaligen Stallgebäudes zu einem Ferienhaus im Nachbardorf Soglio zum Einsatz. Man spürt bei dem Gebäude und bei den Innenräumen, welcher Wert auf Präzision und gute Handwerksarbeit gelegt wurde. Alles wurde „von Hand“ gemacht: der raue Außenputz, die Stampfbeton- Wände, die Verarbeitung von Kastanienholz für Decken, Möbel und Fenster und die Einrichtungen wie Lampen oder das Keramikwaschbecken, das von einer einheimischen Künstlerin entworfen wurde. Eine Architektur ganz im Sinne des Eingangszitats des Architekten und natürlich der Jury.

Ruinelli Associati AG Architetti SIA
7610 Soglio
Schweiz

Galerie

Die Villa Garbald im schweizerischen Castasegna im Bergell, dem Tal, das den Kanton Graubünden mit Italien verbindet, ist Gottfried Sempers einziger Bau südlich der Alpen. Der berühmte deutsche Architekt entwarf das „italienische Landhaus“ 1862 für das Ehepaar Agostino und Johanna Garbald-Gredig, deren kinderlose Nachkommen es bis 1958 bewohnten. Seither sind Villa und der reiche kulturelle Nachlass der Familie im Besitz der Fondazione Garbald, die das Anwesen 2004 von den Architekten Miller & Maranta renovieren und durch den „Roccolo“ baulich ergänzen ließ. Heute ist die denkmalgeschützte Villa Ort für Gruppen und Gremien aus Wissenschaft, Bildung, Kultur und Wirtschaft. Zum „spirito“ des Seminarzentrums gehören zudem Kulturveranstaltungen. Im Frühjahr 2019 wurde das Ensemble nun wieder ergänzt, um ein kleines Studio Cascina auf der Wiese hinter der Villa, ein Haus, das Forschern und Künstlern für eine gewisse Zeit zum Leben und Arbeiten vermietet wird. Mit Armando Ruinelli, der sein Büro in Soglio führt, beauftragte die Stiftung für diese Bauaufgabe bewusst einen Architekten, der für seinen respektvollen und dabei sinnlich-atmosphärischen Umgang mit der Tradition bekannt und berühmt ist. Das neue, 50 Quadratmeter kleine Gebäude – cascina heißt auf deutsch Bauernhof – ersetzt ein ehemaliges Kastaniendörrhaus, schließlich waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts die kalorienreichen Kastanien ein Grundnahrungsmittel der Bergeller Bürgerschaft. In den Dörrhäusern wurden die Erträge der größten Kastanienhaine Europas, die sich bis an die italienische Grenze ziehen, getrocknet, um sie zu konservieren oder weiter zu verarbeiten. Dass der Neubau in Lage, Volumen und Höhe dem vormals bestehenden Gebäude entspricht, ist dabei nicht nur der Bauordnung geschuldet, sondern auch bewusste Entscheidung des Architekten: Das von Dorfhäusern flankierte Studio greift die Bautradition auf und interpretiert sie zurückhaltend und doch sichtbar neu, auch handwerklich. Tatsächlich „von Hand“ wurden der raue Außenputz, die Stampfbeton-Wände, der Mörtelboden im Erdgeschoss und auf der Treppe oder auch die Türen und Fenster, die schlichten Möbel und die überaus feinen Verkleidungen aus Kastanienholz gearbeitet. Die Lampen entwarf Armando Ruinelli aus Industriebronze, das Keramikwaschbecken stammt von einer einheimischen Künstlerin.