Skulptur im Garten

Wie gut, dass der Flughafen Hongkong einen international sortierten Presseshop hat. Dort nämlich sahen die zu dem Zeitpunkt in Hongkong lebenden Bauherren ein Haus von Hannelore Kaup auf dem Titel, riefen sie an und trafen sie kurz darauf persönlich. Dann, so erzählt die Berliner Architektin, begann eine knapp ein Jahr lang dauernde, aufregende Entwurfszeit mit vielen Telefonkonferenzen und E-Mails, in der zahlreiche Konzepte entstanden, verworfen und weiterentwickelt wurden, bis letztendlich alles passte für die fünfköpfige Familie.

Kaup Architekten
10777 Berlin
Deutschland

Galerie

Das Grundstück, auf dem das maßgeschneiderte Haus entstehen sollte, liegt unweit von Berlin, an einem Ort, der ebenso idyllisch wie geschichtsträchtig ist. Das ehemalige Fußballfeld ist gut 6.000 Quadratmeter groß, etwa die Hälfte liegt innerhalb der Dorfgrenze und ist damit Bauland. Der unbebaute Grundstücksteil wird von der örtlichen Jugend und Gemeinde weiterhin als Fußballplatz und für das alljährliche Sommerfest genutzt. In den 1920er- und 30er-Jahren lebten hier vor allem Juden aus der Kunst- und Galeristenszene sowie der Film- und Geschäftswelt Berlins. Neben Gründerzeitvillen für Sommerfrischler auf der Havelseite mit großen, zum Wasser abfallenden Gärten entstanden kubische und expressive Backsteinbauten der Moderne. Zur Zeit des Kalten Krieges wurde das Dorf zum Sperrgebiet, heute ist der Ort zwischen See und Havel längst wiederentdeckt. Hannelore Kaup entwarf einen winkelförmigen, flachgedeckten Baukörper mit einem zweigeschossigen und einem kleineren, eingeschossigen Schenkel. Zwei Materialien bestimmen die Fassade: Backstein und Glas. Von der Straße präsentiert sich das Haus beinahe komplett geschlossen, als minimalistische Skulptur im weitläufigen Grün. Gläsern jedoch öffnet sich das Haus im Erdgeschoss zum Garten: Im Zusammenspiel mit dem im hinteren Teil des Grundstücks liegenden hölzernen Nebengelass für Gartengerät, eine Sauna und eine Werkstatt entsteht ein privater Außenbereich, der ohne Zaun auskommt. Innenräumlich ergeben sich um die im Gelenk des Winkels eingestellte Treppe verschiedene Sichtachsen, großzügig fällt Licht durch die beiden kreisrunden Oberlichter. Kochen, Essen und Wohnen haben Platz in einem Raum, wandintegrierte Paneele sorgen bei Bedarf für Trennung. Die Decken sind in Sichtbeton belassen, der Boden ist teils in Gussasphalt ausgeführt, teils mit breiten Holzdielen belegt. Für die Wände entwickelte die Architektin unterschiedliche Farbflächen. Eine Dachterrasse vor dem großen Schlafzimmer sowie eine in das Gebäudevolumen eingeschnittene Loggia schaffen intime Rückzugsbereiche im Obergeschoss.