Vorarlbergerisch

Angemessen, kompakt und auf das Wesentliche konzentriert – für die Architektin Helena Weber, die ihr Büro in Dornbirn hat und Mitglied diverser Gestaltungsbeiräte sowie auch im Vorarlberger Architekturinstitut und bei Vorarlberger Holzbaukunst ist, ist das schlicht „vorarlbergerisch“. Wie sie dieses Adjektiv architektonisch übersetzt, hat sie bereits in vielen Wettbewerben „Häuser des Jahres“ gezeigt. In diesem Jahr wurde ein Haus von ihr ausgewählt, das auf einer Bergparzelle unweit von Bregenz am Südhang des Pfänderstocks entstand, mit Blick also von den Schweizer Bergen über die Landschaft des Bregenzerwaldes bis hin zum bayerischen Westallgäu. Ringsum liegen Wiesen und Wälder, unweit steht das Elternhaus der Bauherren. Eingebunden in diese charaktervolle Naturkulisse ergänzt das Einfamilienhaus eines jungen Paares wie ein Möbelstück nun das Familiengrundstück und fügt sich als ruhiger und dabei markanter Baukörper selbstverständlich in den Natur- und Kulturraum ein.

HELENA WEBER ARCHITEKTIN ZT
6850 Dornbirn
Österreich

Galerie

Bewusst hatten sich die jungen Bauherren die Architektin ausgesucht und sich mit ihren Bauten auseinandergesetzt. Für ihr eigenes Haus wollten sie sich nur auf den Raum konzentrieren, den sie tatsächlich brauchen, und dabei räumlich flexibel genug bleiben, um das Haus bei Bedarf einer neuen Lebensphase anpassen zu können. Und selbstverständlich sollte das neue Gebäude dem Ort und der Topografie angemessen sein. So schmiegt sich das Haus an den Hang, die unterschiedlichen Höhen werden genutzt, um im Obergeschoss ebenerdig hinein zu gelangen und von der unteren Ebene den Garten zu erschließen. Offene Räume – auch das war den Bauherren wichtig – lassen die Kommunikation über die beiden Etagen zu. Das obere Wohngeschoss wird nordwestseitig erschlossen, es ist als Loft konzipiert. Vom überdachten Eingangsbereich führt ein kleiner Vorraum in den Wohnbereich, von der Küche mit Essplatz gelangt man auf die Terrasse. Auch bei schlechtem Wetter gestattet der geschützte Freisitz gen Süden den Blick auf das beeindruckende Panorama. Doch auch die rhythmisch gesetzten Öffnungen im Haus sorgen immer wieder für Ausblicke: Vor allem das großzügige, gerahmte Fenster mit Sitzbank Richtung Osten lädt zum Verweilen ein und holt die Landschaft wie ein Bild ins Innere des Raumes. Das Haus wurde als Holzelementbau beziehungsweise als Holzmassivbau in Fichte ausgeführt. Vertikale Fichtenlisenen gliedern die Fassade, ihre unterschiedlichen Abstände bilden die innere Organisation des Hauses ab. So ergibt sich dem Tagesverlauf entsprechend im Inneren und auf der Außenhaut ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten, Offenheit und Geschlossenheit. Die Reduktion auf wenige Materialien setzt sich in der Innenraumgestaltung fort: Fichtenholz und dunkles Stahlblech kontrastieren mit den gewachsten Eichendielen, die hellen Innenwände schaffen eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Konsequent wurden die Vorteile eines Holzbaus genutzt: Das Haus ist einfach und modular gebaut, mit ökonomischen, dem Baustoff Holz angemessenen Spannweiten. Der Kostenrahmen wurde eingehalten. Auch auf die Verwendung möglichst natürlicher Baumaterialien legten die Architektin sowie die Bauherren Wert, der niedrige Heizwärmebedarf wird über Erdwärme abgedeckt. Ergänzt wird das Konzept über einen Speicherofen im Wohnbereich sowie eine kontrollierte Be- und Entlüftung. Es wurden ausschließlich lokale Handwerker beauftragt, die traditionell dem Holzbau verpflichtet sind, und – so die Architektin – sich auf hohem Niveau eingebracht haben. Mit einem Wort: vorarlbergerisch.