Resonanzkörper

Massivhaus mit Holz

Ein Flügel als prägendes Architekturelement: Im Mittelpunkt des zweigeschossigen Hauses befindet sich das Piano des Bauherren – hier wohnt er und gibt Konzerte.

Die Bauaufgabe „Haus für einen Pianisten“ gehört nicht zum Standardauftrag eines Architekten. Erst recht nicht, wenn das Grundstück mit 454 Quadratmetern Größe an einer schmalen Stichstraße in einer südöstlich von München gelegenen Landkreisgemeinde liegt und somit quasi um das raumgreifende Instrument herum geplant und gebaut werden musste. Der Richtige für diese Aufgabe war für den alleinstehenden Künstler, der vor allem Kammermusik schätzt und im Klavier-Trio, bei Liederabenden sowie als Pianist eines renommierten Vokalensembles spielt: der Münchner Architekt Stephan Rauch.

StandortMünchen-Ottobrunn
Grundstücksgröße454 qm
Wohnfläche110 qm
Zusätzliche Nutzfläche48 qm
Anzahl der Bewohner1 Person
BauweiseUG Holzbauweise, EG Holzrahmenbauweise
Fertigstellung2016
 
PlanungsbürostudioRAUCH
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AusführungstudioRAUCH
FotografieFlorian Holzherr art & architectural documentations
EIN KONZERTHAUS ZUM WOHNEN. WARUM NICHT!

Stephan Rauch

Die Maße eines Flügels hatte zwar auch er nicht im Kopf. Doch das Haus, das er dem Instrument anpasste, passt farblich, räumlich und atmosphärisch wie angegossen zum Piano. Bei der Farbe fiel die Entscheidung leicht: Das Haus ist außen schwarz und innen weiß. Klavierlack allerdings ziert nicht die Fassade, die hinterlüftete Haut des Holzrahmenbaus wurde mit schwarz lasierten, sägerauen Fichtenbrettern umhüllt. Selbst die Holzrahmen der Fenster sind so schwarz wie die Kante zwischen metallgedecktem Satteldach und Baukörper. Seine Grundrissgeometrie entspricht einem Rechteck mit zwei einander gegenüberliegenden, abgeschrägten Ecken. Sie sorgen für optimale Belichtung und schöne Ausblicke. Der Flügel ist der Mittelpunkt des zweigeschossigen Hauses, das im Keller zudem Platz bietet für Technik und Besucher.Das Instrument steht auf einer Art Bühne im erhöhten Erdgeschoss. Ein Luftraum öffnet sich hier bis unter das Dach. Da das Haus auch für Konzerte genutzt wird, sind die Decke über dem Wohn- und Essbereich sowie die Wand hinter dem Flügel als akustisch wirksame Bauteile ausgeführt, sie sind gefaltet und mit unbehandelten Holzfaserbauplatten beplankt. Die Küchenzeile wurde in die Wand integriert. Im Obergeschoss hat der Bauherr seinen kleinen privaten Bereich. Dusche, Badewanne, Schlafzimmer und Schreibtisch teilen sich einen Raum, nur das WC wurde abgetrennt. Den Himmel hat man vom Bett aus unverstellt im Blick.

Impressionen